Canon RF 10-20 F4 vs. Canon EF TS-E 17 F4

31. Dezember 2025

TS-E 17 vs. RF 10-20

In den letzten Wochen und Monaten haben mich immer wieder Fragen zum Vergleich des RF 10-20 F4 mit dem TS-E 17 F4 erreicht.

Ich versuche den Vergleich mal aus meiner Sicht zu machen, wobei ich hier kein Pixelpeeping oder ähnliches machen werde, sondern eher auf die Anwendung eingehe. Eine ähnliche Einschätzung hatte ich schon in diesem Artikel zum RF 10-20 F4 geschrieben

Zum TS-E 17 F4

Das TS-E 17 F4 gibt es bereits seit rund 15 Jahren und ich meine 10 Jahre oder länger habe ich es. Zunächst an einer 5D MK III und IV DSLR, wo es eigentlich nur mit Stativ zu benutzen war.

In Zeiten der Systemkameras war es dann auch problemlos ohne Stativ nutzbar und so war es oftmals in Städten mein Standardobjektiv. Fast immer mit Sigma Adapter an einer Sony A7RIII, da diese lange Zeit deutlich günstiger als die R5 war. So nutze ich das TS-E 17 auch heute noch an der Sony mit Adapter. Für diesen Vergleich habe ich es aber an der R5 benutzt.

Was zeichnet das TS-E 17 aus?

Wie die Abkürzung vermuten lässt, handelt es sich um ein Tilt Shift Objektiv. Für den Vergleich möchte ich mich aber alleine auf die Shift Funktion beziehen. Wie ebenfalls der Name vermuten lässt, ist es eine 17mm Festbrennweite. Die Besonderheit ist jedoch, dass man die 17mm durch die Shift Funktion in einem ca. 11mm Bildkreis bewegen kann.

Ein normales 17mm Objektiv würde z.B. bei einem Gebäude den oberen Teil nicht ganz aufs Bild bekommen, dafür ggf. Vordergrund, den man nicht braucht. Mit der Shift Funktion kann man nun den Bildausschnitt anpassen und vom oberen Teil des Gebäudes mehr raufbekommen und dafür vom Vordergrund weniger.

Man liest in dem Zusammenhang immer wieder, dass ein TS-E stützende Linien verhindert. Das ist so nicht ganz richtig, ich kann mit dem TS-E problemlos stürzende Linien erzeugen, wenn ich es nicht gerade ausrichte. Ich habe aber im Gegensatz zu einem anderen Objketiv – wie bereits geschrieben – die Möglichkeit diese durch Shiften zu verhindern, da ich die Kamera oftmals nicht nach oben schwenken muss und so stürzende Linien erzeuge.

Was schränkt das TS-E 17 ein?

Das TS-E ist ein komplett manuelles Objektiv. Es fehlt nicht nur ein Autofokus, man muss bzw. sollte auch manuell belichten. Zwar kann das TS-E auch ganz normal die Belichtung messen, aber sobald man nach oben oder unten shiftet, verändert sich diese extrem und lasst sich nicht mehr zuverlässig messen. Daher sollte auch das einmal manuell eingestellt werden. Messen kann man es aber natürlich in der Normalposition und übernimmt die Werte dann in den manuellen Modus.

Im Ganzen dauert eine Aufnahme somit wesentlich länger, zumindest das erste Foto von einem Motiv.

Aufnahme mit normaler Ausrichtung

TS-E 17
TS-E 17

Aufnahme mit Shift nach oben.

TS-E 17
TS-E 17

Was zeichnet das RF 10-20 F4 aus

Das RF 10-20 ist ein modernes Objektiv mit einem extremen Brennweiten Bereich ab 10mm. Es hat natürlich Autofokus und sogar einen Bildstabilisator, wenngleich ich den nicht so entscheidend finde. Zudem ist es recht leicht und kompakt.

Was schränkt das RF 10-20 ein?

Wie bei vielen Objektiven findet die Korrektur nachträglich per Software statt oder bei JPGs in der Kamera. Es hat bei der Aufnahme bei 10mm zunächst im RAW eine extreme Randabdunkelung und auch Verzerrungen. Diese werden dann per Software sehr gut korrigiert – zum Beispiel in Lightroom. Ob hier nun was von den 10mm verloren geht oder die Aufnahme eigentlich vor der Korrektur unter 10mm liegt, habe ich nicht geprüft.

Wie man hier bei 10mm sieht, hat man viel im Vordergrund. Oftmals würde man das vermutlich schneiden wollen.

Canon RF 10-22
Canon RF 10-20

Vergleich bei 17mm

Hier ein Auschnittvergleich bei 17mm. Das 10-20 ist im Detail aus meiner Sicht etwas schärfer. Letztendlich ist der Vergleich aus meiner Sicht aber in der Praxis wenig relevant, weil man üblicherweise beim 10-22 nicht die gleiche Brennweite nutzen würde, wie beim TS-E, also eher deutlich mehr Weitwinkel.

Vergleich RF10 20 TS E

Download Original

Vergleich 10 22 TS E

Download Original

Mein persönliches Fazit

Das RF 10-20 ist zweifelsohne das problemlosere und schnellere Objektiv. Zudem sehr kompakt und ohne Adapter nutzbar an den R Modellen. Von der Abbildungsleistung auch etwas besser, wenngleich eher im Zoombereich zu sehen.

Mag an meiner jahrelangen Gewohnheit, dem Alter oder was auch immer liegen – bei mir liegt es eher im Schrank.

Ich mag es einfach mir dem TS-E in Ruhe das Bild aufzubauen und muss später am Rechner i.d.R. gar nicht oder wenig schneiden.

Es gibt natürlich auch Momente, wo ich mich über die Streulichtempfindlichkeit des TS-E maßlos ärgere, gerade abends. Auch fehlt mir manchmal an den Seiten was und ich bin zu faul mehrere Aufnahmen zu machen. Das kommt aber tatsächlich recht selten vor. Lensflares bekommt man zudem heute mit der KI problemlos entfernt, früher hat das viel Arbeit gemacht oder das Bild unbrauchbar gemacht.

Also, ich vermute für die Mehrheit wird das RF 10-20 eine gute Wahl sein, wenn man diese extreme Brennweite braucht. Bei mir ist nach wie vor eher das TS-E in der Fototasche.

Fragen zum Artikel?

Fragen