Durch Zufall bin ich auf Immich gestoßen und musste es natürlich auch gleich mal ausprobieren. Hier ein Bericht zu meinen ersten Erfahrungen, den ich sicher nach und nach noch erweitere und aktualisiere.
Immich will dabei eine Alternative zur Bildverwaltung von Google oder Apple sein. Wie gut das gelingt, versuche ich in diesem Artikel auch zu bewerten.
Was ist Immich?
Immich ist eine Open-Source-Software für die Verwaltung von Fotos. Im Gegensatz zu kommerziellen Cloud-Diensten wird Immich selbst gehostet (Self-Hosting). Das bedeutet, Nutzer installieren die Software auf eigener Hardware – typischerweise auf einem NAS (Network Attached Storage) oder einem eigenen Heimserver via Docker. Alternativ kann man einen (v)Server mieten oder es gibt mit Pixel Union auch einen Anbieter, der Immich fertig gehostet anbietet.
Immich hat dabei eine moderne Oberfläche und nutzt neben normalen Alben, einer Suche über Metadaten oder Dateinamen auch eine KI gestützte Suche nach dem Inhalt von Fotos.
Hier ein paar Funktionen von Immich
- Maschinelles Lernen (KI): Lokale Gesichts- und Objekterkennung sowie semantische Suche, die direkt auf dem eigenen Server ausgeführt wird.
- Multi-User-Support: Mehrere Nutzer (z.B. Familienmitglieder) können das System mit getrennten Konten auf demselben Server nutzen.
- Teilen-Funktionen: Erstellen von geteilten Alben oder das Generieren von Links für externe Personen.
Der Vergleich: Immich, Google Fotos und Apple Fotos
Um die Stärken und Schwächen von Immich besser einordnen zu können, lohnt sich ein detaillierter Blick auf die Unterschiede zu den etablierten Cloud-Lösungen von Google und Apple.
1. Datenhoheit und Datenschutz
Der größte und wichtigste Unterschied liegt in der Speicherung der Daten.
- Google Fotos: Die Daten liegen auf den Servern von Google. Das Unternehmen hat (gemäß den Nutzungsbedingungen) die Möglichkeit, Bilder für die Verbesserung eigener Algorithmen zu scannen. Für Nutzer mit strengen Datenschutzbedenken ist dies oft ein Ausschlusskriterium.
- Apple Fotos (iCloud): Apple legt traditionell großen Wert auf Datenschutz. Mit der “Erweiterten Datenschutzfunktion” (End-to-End-Verschlüsselung) in iCloud sind die Fotos sehr sicher vor Fremdzugriffen. Dennoch verbleiben die Daten auf fremden Servern.
- Immich: Hier liegt die absolute Datenhoheit beim Nutzer (Ausnahme Hosting). Die Fotos verlassen das eigene Heimnetzwerk (bzw. den eigenen Server) nicht, es sei denn, der Nutzer richtet explizit einen Fernzugriff ein. Auch die KI-Analysen (wie Gesichtserkennung) finden ausschließlich lokal statt.
2. Kostenstruktur
- Google & Apple: Beide Dienste basieren auf einem Abonnement-Modell. Es gibt ein geringes kostenloses Speicherkontingent (15 GB bei Google, 5 GB bei Apple), danach fallen monatliche Gebühren an, die mit der Größe der Mediathek steigen.
- Immich: Die Software selbst ist kostenlos. Die Kosten entstehen durch die Anschaffung und den Betrieb der Hardware (Server/NAS, Festplatten, Strom). Bei großen Mediatheken (z.B. über 2 Terabyte) amortisieren sich die Hardwarekosten im Vergleich zu langjährigen Cloud-Abos oft nach einigen Jahren. Bei Nutzung eines gemieteten Servers fallen natürlich auch Fremdkosten an.
3. Plattformunabhängigkeit vs. Ökosystem-Zwang
- Apple Fotos: Funktioniert nahtlos, aber de facto fast ausschließlich im Apple-Ökosystem (iPhone, iPad, Mac). Wer ein Android-Smartphone nutzt oder zu Windows wechselt, verliert massiv an Komfort.
- Google Fotos: Ist plattformübergreifend exzellent nutzbar (Android, iOS, Web), glänzt aber vor allem auf Android-Geräten durch tiefe Systemintegration.
- Immich: Ist als Open-Source-Lösung komplett plattformunabhängig. Es gibt native Apps für Android und iOS sowie ein Web-Interface für alle Desktop-Betriebssysteme. Ein Wechsel der Smartphone-Marke hat keinerlei Auswirkungen auf die eigene Mediathek.
4. Einrichtung und Wartung
Hier liegt der wohl größte Nachteil von Immich im direkten Vergleich.
- Google & Apple: “Plug and Play”. Nach dem Login in das jeweilige Konto und dem Aktivieren des Backups funktioniert alles automatisch. Die Unternehmen kümmern sich um Ausfallsicherheit, Server-Updates und Backups.
- Immich: Richtet sich an technisch versierte Nutzer. Die Installation via Docker erfordert Grundkenntnisse in Server-Administration. Zudem ist der Nutzer selbst dafür verantwortlich, eine Backup-Strategie für seinen Server zu entwickeln, da ein Ausfall der eigenen Festplatten sonst zu unwiderruflichem Datenverlust führen kann.
Wie nutze ich Immich?
Ich habe zwar auch verschiedene Synology NAS Geräte, habe diese aber bisher bewusst nicht für das Internet zugänglich gemacht.
Ich hatte tatsächlich erst über die Nutzung von Immich bei PixelUnion nachgedacht. Da es dort aber keine eigene Domainanbindung gibt, fand ich das nicht so interessant.
Ich habe daher Immich auf einem vServer von Hetzner installiert und meine vorhandene StorageBox ebenfalls von Hetzner angebunden. Das kostet mich ein paar Euro im Monat, wobei ich die StorageBox nicht nur für Immich nutze, sondern auch für Backups.
Bildersuche in Immich
Die KI Bildersuche scheint bei sehr wenigen Fotos manchmal nicht gut zu funktionieren. Bei einer größeren Anzahl an Fotos funktioniert es aber ganz gut. Ich habe hier ein Kreuzfahrtschiff als Referenz genommen und nach ähnlichen Fotos gesucht.

Mein Eindruck von Immich
Immich funktioniert besser als erwartet und wer sich nicht vor der Bedienung eines Terminals oder SSH Clients fürchtet, kann Immich mit Anleitung auch problemlos einrichten.
Ob der Kosten Faktor tatsächlich ein Grund für Immich ist? Ich denke meist eher nicht. Mich selber stört es auch nicht meine Fotos bei Google oder Apple zu hosten.
Bei mir war eher das Interesse an Immich ausschlaggebend es auszuprobieren.
Wem es wichtig ist seine Fotos selber auf einem NAS oder gemieteten Server selber zu verwalten und die volle Kontrolle, aber auch Verantwortung, zu haben, sollte sich Immich mal ansehen.

